Doppelgold in China: Schweizer Mathematik-Talente übertreffen alle Erwartungen
Vom 9. bis 21. Juli versammelte die Internationale Mathematik-Olympiade (IMO) über 600 junge Mathegenies aus über 100 Ländern in Shanghai. Zwei Genfer gewannen Gold, ein Urner und eine Urnerin Bronze, zwei weitere Jugendliche aus Genf und Freiburg erhielten Ehrenmeldungen. Vor drei Jahren war bereits eine einzelne Goldmedaille für die Schweiz eine einzigartige Sensation. Seit 2023 feiert die Schweizer Mathematik-Olympiade eine erstaunliche Erfolgssträhne. Was steckt dahinter?
Von links nach rechts: Raphael Angst (vorne, Teamleiter), Ivan Borysiuk, Hongjia Meng, Jovian Soejono, Andrej Ševera, Yuhua “Jason” Su, Mathys Douma (vorne, Teamleiter), Benoît Schmit und die chinesische Begleitperson der Delegation. (Alle Bilder: Schweizer Mathematik-Olympiade)
Besuch im Disneyland Shanghai.
Dieses Jahr verbrachte das Schweizer Team vor der Reise nach China Zeit in Ljubljana, wo sie mit dem slowenischen Team zusammen in mathematische Rätsel eintauchten.
Jovian Soejono.
Andrej Ševera
Yuhua “Jason” Su
Hongjia Meng.
Ivan Borysiuk.
Benoît Schmit
Gold ging an:
Jovian Soejono, École internationale de Genève (GE)
Andrej Ševera, Collège Voltaire (GE)
Bronze ging an:
Yuhua “Jason” Su, International School Altdorf (UR)
Hongjia Meng, Kantonale Mittelschule Uri (UR)
Folgende Schweizer wurden mit Ehrenmeldungen ausgezeichnet:
Ivan Borysiuk, Cycle d'orientation de Cayla (GE)
Benoît Schmit, Collège du Sud (FR)
Erstmals seit 2014 stammte die Mehrheit der Schweizer Teilnehmenden aus der französischsprachigen Schweiz.
Ein erstaunliche Erfolgssträhne
Jovian Soejono stand bei der Schlusszeremonie am Montag nicht zum ersten Mal auf dem Podest. Schon 2025 gewann er eine Goldmedaille an der IMO, damals in Australien. Vor ihm war dies 2006, 2023 und 2024 erst drei anderen Schweizern gelungen, darunter Mathys Douma, der nun drei Jahre nach seinem eigenen Sieg die Schweizer Delegation in China begleitete. Diese Leistungen sorgen dafür, dass die Schweiz es beim prestigeträchtigen Mathe-Wettbewerb für Jugendliche in den letzten Jahren unter die 20 stärksten Länder geschafft hat.
Dies ist beachtlich, nicht nur wegen der kleinen Grösse des Landes, sondern auch, weil Teilnehmende in anderen Ländern schulisch stärker entlastet werden, erklärt Tanish Patil vom Vorstand der Schweizer Mathematik-Olympiade. Andernorts werden Schülerinnen und Schüler beispielsweise von Abschlussprüfungen dispensiert. Schulen in der Schweiz legen hingegen Wert darauf, dass Jugendliche nicht zu viel fehlen, auch nicht für die Talentförderung. Organisiert wird die Schweizer Mathematik-Olympiade rein ehrenamtlich. Studierende und ehemalige Teilnehmende geben ihre Erfahrungen weiter, denn die Aufgaben der Mathematik-Olympiade unterscheiden sich stark von der Schulmathematik. Mit dem Cours Euler der EPFL, der Junior Euler Society der Universität Zürich oder der ETH Math Youth Academy existieren in der Schweiz mehrere Angebote, die Mathetalente bereits in sehr jungem Alter fördern und für die Olympiade entdecken, so Tanish Patil. Er betont ausserdem die Diversität der Schweiz als Ressource. “Viele unserer besten Teilnehmenden haben Wurzeln in unterschiedlichen Ecken der Welt."
IMO 2030 in der Schweiz: In Shanghai wurde die Kandidatur der Schweiz als Gastgeberland der IMO angenommen. 2030 soll der Grossanlass in Lausanne stattfinden.
Mehr als ein Wettbewerb
Jährlich nehmen etwa 1800 Schülerinnen und Schüler an der ersten Runde der Schweizer Mathematik-Olympiade teil. Welche von ihnen es bis zur IMO schaffen, entscheidet sich im Verlauf mehrerer Runden. “Ich hatte mir für dieses Jahr fest vorgenommen, mich für die IMO zu qualifizieren und freue mich, dass ich dabei war, unabhängig von den Resultaten”, so Benoît Schmit. Die Teilnehmenden werden auf jeder Stufe nicht nur geprüft, sondern auch gefördert. Während Workshops, Camps und Wettbewerben wachsen die jungen Menschen zu einer Gemeinschaft zusammen und finden Freunde aus aller Welt. Dieses Jahr verbrachte das Schweizer Team vor der Reise nach China Zeit in Ljubljana, wo sie mit dem slowenischen Team zusammen in mathematische Rätsel eintauchten. “Das Beste an der IMO ist die Atmosphäre”, sagt Benoît. “Man lernt Leute kennen, die auch eine Leidenschaft für Mathe haben, was es einfacher macht, ein Gespräch anzufangen.”
Die Wissenschafts-Olympiade fördert Jugendliche, weckt wissenschaftliche Begabungen und Kreativität und beweist: Wissenschaft ist spannend. Jedes Jahr gibt es 11 Olympiaden und etwa 10’000 Teilnahmen: Workshops, Lager und Prüfungen in Astronomie, Biologie, Chemie, Geographie, Informatik, Linguistik, Mathematik, Philosophie, Physik, Robotik und Wirtschaft. Die Organisatoren sind junge Forschende, Studierende oder Lehrpersonen, die freiwillig viele Stunden und Herzblut in das nationale Programm investieren. Die besten Teilnehmenden vertreten die Schweiz an internationalen Wettbewerben. Wer mitmachen möchte, kann nach den Sommerferien online an den ersten Runden teilnehmen.